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Polyneuropathie
Polyneuropathie ist der Oberbegriff für bestimmte Erkrankungen des peripheren Nervensystems, die mehrere Nerven betreffen. Abhängig von der jeweiligen Ursache können motorische, sensible oder auch vegetative Nerven gemeinsam oder auch schwerpunktmäßig betroffen sein. Die Erkrankung kann eher die Isolationsschicht der Nerven (Myelin) oder eher den Zellfortsatz (Axon) selbst betreffen, sie kann sich eher körperfern (distal) an Händen und Füßen oder sehr viel seltener auch körpernah (proximal) zeigen, es gibt symmetrische und asymmetrische Formen; stets aber sind mehrere periphere Nerven betroffen (poly (griech.) = viele). Die Symptome können je nach betroffenem Nervenfasertyp und betroffener Körperregion sehr vielfältig sein.
Häufige Ursachen Diabetes mellitus Alkoholmissbrauch Idiopathische Polyneuropathie, d.h. ohne erkennbare Ursache Autoimmunologisch bedingt (Guillain-Barré-Syndrom, CIDP (= "chronic inflammatory demyelinating polyneuropathy") (Churg-Strauss-Syndrom, CSS) Toxisch (Alkohol, Medikamente, andere Giftstoffe) Infektionskrankheiten (Mononukleose, Ehrlichiose, Typhus, Diphtherie, HIV, Lues, Borrelien und andere) bei Krebserkrankungen als paraneoplastisches Syndrom oder als Nebenwirkung bestimmter Wirkstoffe der Chemotherapie (z.B. Oxaliplatin) vererbbare (hereditäre) Polyneuropathie (z. B. Morbus Charcot-Marie-Tooth, auch bekannt unter HMSN I). Hier gibt es zahlreiche verschiedene, zum Teil sehr seltene Formen.
Mögliche weitere Ursachen Vitamin-B12-Mangel Vitamin-E-Mangel Morbus Refsum (genetisch bedingte unnatürliche Speicherung der Phytansäure als Folge einer Störung der Alpha -Oxidation) Bassen-Kornzweig-Syndrom (Hypocholesterinämie und Verminderung der beta-Lipoproteine) Morbus Fabry (Mangel an alpha-Galactosidase) Vaskulitis Amyloidose Cadmiumvergiftung Thalliumvergiftung (Rattengift) Bleivergiftung Symptome [Bearbeiten] Polyneuropathische Sensibilitätsstörungen können mit verschiedener Verteilung am Körper auftreten. Da die Zellkörper (Somata) der sensiblen Nervenzellen in den Ganglien nahe am Rückenmark liegen und die Nervenfortsätze von dort aus versorgt werden, nehmen die längsten Fasern, die bis hin zum großen Zeh versorgt werden müssen, am ehesten Schaden. Häufig beginnt die Erkrankung daher mit unangenehmen Missempfindungen der Zehen beidseits. Wenn die Erkrankung fortschreitet, wird die Verteilung der Sensibilitätsstörungen gelegentlich als "handschuh- oder sockenförmig begrenzt" beschrieben. Die betroffenen Körperbereiche können spontan kribbeln und sind dann unangenehm und mitunter sehr störend entweder taub oder brennend schmerzhaft. Es können Missempfindungen wie Hitze- oder Kälte- und Schwellungsgefühle, z.B. „wie im Schraubstock“ auftreten. Bedingt durch die fehlenden oder verfälschten sensiblen Informationen über die Gelenkstellungen, den Druck beim Auftreten und den Grad der Muskelanspannung kann es zu "peripher bedingten", ataktischen Koordinationsstörungen kommen. Solche Patienten sind dann vor allem bei geschlossenen Augen nicht mehr in der Lage, sicher zu gehen. Periphere, atrophische und oft symmetrische Lähmungen Trophische Veränderungen der Haut, wenn periphere vegetative Nervenfasern betroffen sind. Hier kann es zu einem Geschwür kommen, zu Hypohidrosis (verminderte Produktion von Schweiß), Magen-, Darm-, und Blasenentleerungsstörungen, sowie Potenzstörungen, Ruhetachykardie, und Störungen der Pupillomotorik mit Einschränkung der Mydriasis (Pupillen Dilatation).
Diagnostik Typische Symptome, die von Patienten geschildert werden, sind Gefühlsstörungen, Lähmungen und Gangunsicherheit. In der neurologischen Untersuchung finden sich schwach bis nicht auslösbare Muskeleigenreflexe und Atrophien der Muskulatur. Das Vibrationsempfinden (Pallästhesie) ist häufig frühzeitig aufgehoben. Charakteristisch ist die oft symmetrische Verteilung dieser Symptome und Beschwerden. Die wesentlichen diagnostischen Maßnahmen bestehen - neben Anamnese und Untersuchung - in laborchemischen, elektrophysiologischen (Elektroneurographie und Elektromyografie) und Liquor-Untersuchungen. Gelegentlich ist eine Nervenbiopsie (zum Beispiel eine Biopsie des Nervus suralis) erforderlich, vor allem wenn sich ein Verdacht auf eine Vaskulitis als Ursache der Polyneuropathie ergeben sollte. Eine Beteiligung des vegetativen (autonomen= peripheren) Nervensystems kann durch einen Schweißtest, eine Kipptischuntersuchung sowie eine Messung der Herzfrequenzvariabilität nachgewiesen werden.
Laborwerte Bestimmt werden sollte der HbA1c-Wert, die Nieren- und Leberwerte, bei Verdacht auf Alkoholmissbrauch der Alkoholspiegel und der CDT-Wert. Wichtig sind auch Hinweise für einen Vitamin-B12-Mangel (Erythrozythengröße, Vitamin-B-12-Spiegel, bei grenzwertigen Vitaminspiegeln zusätzlich Holo-Transcobolamin, bei nachgewiesem Vitaminmangel Bestimmung der Antikörper gegen Parietalzellen der Magenschleimhaut).
Differentialdiagnose Bandscheibenvorfall Funikuläre Myelose Tabes dorsalis Perniziöse Anämie / Vitamin-B12-Mangel Therapie [Bearbeiten] Die Therapie erfolgt ursachenspezifisch nach der Grunderkrankung: Eine gezielte Behandlung ist nur dann möglich, wenn die Ursache der Polyneuropathie erkannt wurde. In diesem Fall muss versucht werden, die Ursache zu beseitigen. Ursachenabhängige Therapiemaßnahmen sind zum Beispiel:
bakterielle Infektion - Behandlung mit Antibiotika Alkoholismus - Alkoholverzicht, zusätzlich Vitamin B1-Verabreichung Diabetes mellitus - (bessere) Einstellung des Blutzuckerspiegels, zusätzlich zuweilen Verabreichung von Alpha-Liponsäure symptomatische Therapie der Beschwerden: Vor allem die Schmerzlinderung spielt eine zentrale Rolle. Weil nichtopioide Schmerzmittel bei neuropathischen Schmerzen in vielen Fällen nicht wirksam sind, müssen zur Schmerzlinderung häufig auch Medikamente verschrieben werden, die sonst zur Behandlung von Krampfleiden (Antikonvulsiva), oder zur Behandlung von Depressionen (Antidepressiva) eingesetzt werden. Eine nicht-medikamentöse Schmerztherapie erfolgt mittels der sogenannten transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS).
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Quelle: Div., Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Polyneuropathie, Stand: 04.03.2010
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